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Leseliste


(seit März 2011, Stand: 17.04.2014)

  • Ann Cotten - Der schaudernde Fächer
    +++ Das Buch ist nicht ganz einfach, aber schließlich geben sich hier auch Kunst und Leben die Klinke in die Hand, die Unterscheidung von Phantasie und sogenannter Realität wird aufgehoben, und es werden alle Schubladen aus dem Schrank der Sexualität gerissen.
    09.03.2014-17.04.2014
  • Julie Otsuka - Wovon wir träumten
    - Durch Aufzählung von Details individueller Lebensläufe entsteht das diffuse, kollektive Wir japanischer Einwanderinnen im Westen der USA, das sich mit der Vertreibung infolge des japanischen Angriffs auf Pearl Harbor auflöst. Im letzten Kapitel ist das Wir amerikanisch und will uns das Gefühl eines Verlusts weismachen. Geschichte und Geschichten werden einem literarischen Effekt geopfert.
    08.05.2013-09.05.2013
  • Wolfgang Koeppen - Das Treibhaus
    +++(+) In der Geschichte eines Oppositionsabgeordneten des ersten Deutschen Bundestags spiegelt sich die deutsche Geschichte der vorigen zwanzig Jahre wider. Die Erzählung ist geschichtsträchtig und der Autor seinem entwurzelten, depressiven Antihelden gegenüber distanziert und mitleidlos. Konsequent antinational, antimilitaristisch, freudlos, desillusioniert.
    16.04.2013-07.05.2013
  • Jérôme Ferrari - Und meine Seele ließ ich zurück
    ++++ Aus der Perspektive zweier Ich-Erzähler und einer dritten Person werden die Ereignisse geschildert, die einen französischen Offizier glauben lassen, seine Seele irgendwo, in Buchenwald, in Indochina oder in Algerien, zurückgelassen zu haben, nur wo, das weiß er nicht. Es zeigt sich, daß ein kaltes Herz und eine zurückgelassene Seele nicht den Tod der Seele bedeuten, sondern viel mehr deren Folter. Die Erzählung ist glasklar strukturiert und sprachlich von besonderer Schönheit. André Degorce, um dessen Seele es hier hauptsächlich geht, kommentiert als einer der Ich-Erzähler meistens sehr knapp die Erzählung der dritten Person, und ist Ziel einer von Haßliebe erfüllten Ansprache eines anderen Ich-Erzählers, Horace Andreani. Obwohl beide Ich-Erzähler Nebenfiguren in "Predigt auf den Untergang Roms" sind und weitere Figuren daraus auch hier auftauchen, muß man diesen späteren Roman nicht gelesen haben, um diesem folgen zu können. Auch umgekehrt ist die Kenntnis dieses Romans nicht wichtig, um "Predigt auf den Untergang Roms" zu verstehen.
    14.04.2013-14.04.2013
  • Jérôme Ferrari - Predigt auf den Untergang Roms
    ++++ (auch beim zweiten Lesen)
    12.04.2013-13.04.2013
  • Lisa Kränzler - Nachhinein
    +++ Ein Großteil der interessanten und manchmal bewegenden Geschichte einer Mädchenfreundschaft wird von einem der Mädchen in der ersten Person und im Präsens erzählt, klingt dabei aber gelegentlich zu erwachsen, um nicht nur möglich, sondern auch glaubhaft zu erscheinen. Möglicherweise paßt dieses Konzept zu einer im Roman vertretenen These über die Zeit (S. 240 "Das Vergangene vergeht niemals wirklich."), und der Titel "Nachhinein" für einen über weite Strecken im Präsens erzählte Geschichte unterstützt These und Konzept, mich überzeugt es aber, auch wenn das Wagnis lobenswert und gut begründet ist, nicht vollständig.
    21.03.2013-11.04.2013
  • Jérôme Ferrari - Predigt auf den Untergang Roms
    ++++ Die Geschichte einer korsischen Familie vom Ersten Weltkrieg bis in die Gegenwart, in der immer mehr gelitten wird als genossen, in der immer mehr gestorben wird als gelebt, die in langen Sätzen erzählt, schönen langen Sätzen, manchmal künstlich langen Sätzen, niemals störend langen Sätzen, einen unglaublichen Sog erzeugt, dem man sich nicht entziehen kann, von dem man sich sogar wünscht, er würde einen nie mehr loslassen.
    17.03.2013-20.03.2013
  • Olga Martynova - Mörikes Schlüsselbein
    +++ Formal anspruchsvoll und verspielt, inhaltlich melancholisch und witzig ergeben die Episoden ein Gesamtbild, aber kein homogenes. Unterschiedliche Textformen, überraschende Relativsätze, ungewöhnliche Wörter, lückenhafte Kapitelnummern und Autoreferenzialität erfordern beim Lesen einige Aufmerksamkeit. Auch die nicht gerade klassische Beziehungsstruktur des Personals, Verbindungen zum Vorgänger "Sogar Papageien überleben uns" und Raum-/Zeitmaschinen machen das Lesen zu einer kleinen Forschungsreise.
    08.03.2013-17.03.2013
  • Christa Wolf - Der geteilte Himmel
    ++++ "Ist die Welt überhaupt mit unserem Maß zu messen? Mit Gut und Böse? Ist sie nicht einfach da - weiter nichts?" (Kapitel 29)
    26.02.2013-07.03.2013
  • Jennifer Egan - Der größere Teil der Welt
    +++ Dieser Roman ist ein Reigen von Fragmenten, die alle von unterschiedlichen Erzählern, selbst von toten, stammen, mit sehr unterschiedlichen Erzähltechniken, bis hin zur Folienpräsentation, gearbeitet sind und zu unterschiedlichen Zeiten, auch der Zukunft, an unterschiedlichen Orten spielen. Es entsteht ein Gesamtbild und der Eindruck von Tiefe. Und doch bleibt vieles Stückwerk und oberflächlich. Entfremdung, Verfall und Tod werden vor der Kulisse und auch am Beispiel des Musikgeschäfts thematisiert, aber nur selten bewegend dargestellt. Der Leser muß viel Zeit und Aufmerksamkeit damit verbringen, sich in Raum, Zeit und Bezugsgruppe zurechtzufinden, was von der Geschichte ablenkt. Möglicherweise ist die Geschichte auch nicht stark genug, soll das vielleicht gar nicht sein, um mit weniger verspielter Technik interessant zu sein. Die den Inhalt dominierende Form muß als Hauptansatzpunkt zur Interpretation herangezogen werden: Das mit viel Kraftaufwand verbundene Bestehen in unserer unübersichtlichen Kommunikations- und Beziehungswelt gaukelt uns Leben vor. Wir sagen uns, wir würden unser Leben managen, doch bauen wir nur weiter an der Fassade, die es verstellt. (Der Übersetzung traue ich nicht ganz. Vor einem Restaurant hängt ein "Menü" (im Original "menu") statt einer Speisekarte aus (S. 63). Ist das der einzige Ausrutscher?)
    12.02.2013-20.02.2013
  • Madison Smartt Bell - Die Farbe der Nacht
    -/+ Sprachlich nicht immer gelungen erzählte, mit Mythologie garnierte Geschichte eines bösen Mädchens, das im Alter nicht netter wird, sich selbst als Teufel fühlt und nicht genug bekommen kann von den Bildern des einstürzenden World Trade Centers. Insgesamt wirkt der Roman zu sehr wie eine Abschlußarbeit im Kurs "Kreatives Schreiben", erst zum Ende hin unterhaltsam.
    02.02.2013-10.02.2013
  • Marlen Haushofer - Die Wand
    ++++ Die Oberfläche des Romans wäre mit so wenigen Worten beschrieben, daß sie kaum einen Satz füllen würden, das Darunterliegende jedoch, scheint nicht zwischen zwei Buchdeckel passen zu können, tut es hier aber doch!
    17.01.2013-02.02.2013
  • Cormac McCarthy - Die Straße
    ++++ Während einer sich dem Ende neigenden Apokalypse flüchten ein Mann und sein Sohn vor dem Winter Richtung Süden. Dichte Wolken, aus denen nahezu ständig Regen fällt, verfinstern selbst die Tage, Pflanzen verfallen zu Staub und Menschen werden aus Hunger zu Kannibalen. Alles Leben auf dem Planeten nähert sich seinem Ende und der Leser fragt sich, was den Mann antreibt und wann auch der Sohn aufgeben wird, ob es wichtig ist, wann das Leben im Einzelfall und wann im Allgemeinen endet, ob es wichtig ist zu wissen, wann der Letzte seiner Art stirb und was uns antreibt, doch noch ein paar Tage länger zu kämpfen, zu leben. Das Grandiose an dem Buch ist, mit welcher Intensität die karge Sprache und Handlung die Apokalypse spüren, vorausahnen läßt.
    03.01.2013-08.01.2013
  • Heinrich Böll - Ansichten eines Clowns
    ++++ Kirche, Politik und Kapital im Westdeutschland der Nachkriegszeit gekonnt und unterhaltsam dargestellt.
    24.12.2012-13.01.2013
  • Heinrich von Kleist - Die Marquise von O...
    +++ Erfreulich moderne Geschichte um eine Schwangere, die nicht weiß, wie es zur Empfängnis gekommen ist. Die von Anfang an für den Leser offensichtliche Lösung des Rätsels steht nicht im Mittelpunkt der Erzählung, viel mehr ist es der Argwohn der Familie, die der Schwangeren ihr Unwissen nicht abnimmt.
    23.12.2012-24.12.2012
  • Stefan Rehberger - Weihnachten nach Hause fahren
    ++ Ein Literaturpreis wird mit diesem Buch nicht zu gewinnen sein, es fängt aber sehr treffend den Geist der Weihnacht ein...
    18.12.2012-23.12.2012
  • Ror Wolf - Pfeifers Reisen
    ++ Unterhaltsame Gedichte mit vergleichsweise viel Handlung. Ein paar weniger gelungene Stücke im vierten Teil sind vermutlich nur der Vollständigkeit halber aufgenommen worden.
    16.11.2012-19.11.2012
  • Roberto Bolaño - Lumpenroman
    ++ In diesem Kurzroman erzählt eine Frau, die sich selbst als einfachen Menschen bezeichnet, mal unbeholfen, mal eloquent eine für sie wichtige Geschichte (die mir gefallen hat) aus ihrer noch nicht lange zurückliegenden frühen Jugend. Die schwankende erzählerische Qualität läßt Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Erzählerin oder am handwerklichen Können des Autors/Übersetzers zu, allerdings könnte sie auch der Illustrierung einer noch nicht abgeschlossene Entwicklung dienen.
    04.11.2012-07.11.2012
  • Daniil Charms - Ich, Petka und der Esel zuletzt
    + Kinderbuch mit schönem Aufbau und unaufdringlicher Moral.
    23.10.2012-23.10.2012
  • Felix Salten - Bambi
    ++ Schönes Kinderbuch, manchmal hart, manchmal sentimental, und manchmal hört man das Alter des Buches raus, was aber nie stört.
    22.10.2012-11.11.2012
  • César Aira - Der Literaturkongress
    -/+ Der Roman, der über weite Strecken eher den Charakter einer Erzählung hat, soll witzig und gekonnt geschrieben sein, ist aber beides nur sehr selten, so daß die Attitüde eher nervt. Nur das Auftauchen der Riesenraupen zum Ende hin ließ mich schmunzeln und nicht bedauern, das Buch gelesen zu haben.
    21.10.2012-21.10.2012
  • Teresa Präauer - Für den Herrscher aus Übersee
    +++ Eine erwachsene Frau erzählt in der ersten Person und im Präsens über einen Sommer, den sie zusammen mit ihrem etwas jüngeren Bruder in ihrer frühen Kindheit bei den Großeltern verbracht halt. Die Erzählungen des Großvaters und die Lücken der eigenen Erinnerung ergänzt sie durch die Phantasie der Erwachsenen. Diese Konstruktion der Erzählung läßt vermuten, daß die Autorin von einer selbstgestellten Falle in die nächste tappt, aber davon kann überhaupt nicht die Rede sein. Die Erzählung ist souverän, voller kindlicher Leichtigkeit, dennoch frei von Naivität.
    18.10.2012-20.10.2012
  • Ror Wolf - Die Vorzüge der Dunkelheit
    ++++ Faszinierend, unheimlich gut, nicht zu greifen.
    14.10.2012-18.10.2012
  • Karen Duve - Grrrimm
    + Meistens unterhaltsam.
    12.10.2012-14.10.2012
  • Alan Bennett - Die souveräne Leserin
    +++ Sehr amüsant wird Elisabeth II. die Geschichte des Lesens, des Schreibens, der Literatur im Allgemeinen und der englischsprachigen im Besonderen angedichtet. Die souveräne Leserin wird sehr sympathisch dargestellt und die einzige Respektlosigkeit ihr gegenüber, die sich finden läßt, ist der Umstand, daß sie überhaupt in den Mittelpunkt dieser fiktiven Rahmenhandlung gestellt wurde. Aber noch viel mehr als eine leichte Verbeugung vor der Queen ist dieses Buch eine äußerst schöne und gelungene Huldigung Marcel Prousts.
    03.10.2012-06.10.2012
  • Stephan Thome - Fliehkräfte
    +++(+) Manchmal sehr sentimental, aber selten unbeholfen kitschig ("Die Spitze des Eiffelturms berührt beinahe den sichelförmigen Mond."), und manchmal werden Ortsbeschreibungen durch die Nennung von Straßen- oder Gebäudenamen ersetzt, was für Leser, die die Straßen oder Gebäude nicht kennen, einfach nur nutzlos ist. Und manchmal wird dieser Hang zu nutzlosen Details zur Falle. Wenige Tage nach einem Vorfall am Hackeschen Markt vorm British Council, das von dort 2007 wegzog, befindet sich in einem spanischen Café in einer Bildergalerie mit dem Titel 'Tus muertos favoritos' ein Bild von Peter Falk, der 2011 starb... Wegen der sehr guten Darstellung menschlicher Beziehungen ist der Roman dennoch sehr gelungen.
    22.09.2012-30.09.2012
  • Clemens J. Setz - Indigo
    ++++ Faszinierend, denn poetisch, witzig, rätselhaft, bösartig und liebevoll zugleich; stilistisch vielseitig, gut konstruiert und schön gestaltet. Ein konkretes Thema des Romans ist schwer auszumachen. Es geht um Identität, um das Finden der Grenze zwischen Nähe und Distanz und um den Kampf eines Autors um sein Thema, den er aber verliert.
    14.09.2012-22.09.2012
  • Michael Frayn - Willkommen auf Skios
    + Eine gut konstruierte und teilweise sehr amüsante Hochstapler- und Wechselungsgeschichte, die glücklicherweise kein Fremdschämen auslöst, denn die Peinlichkeiten des Personals werden nicht auf die Spitze getrieben. Die Geschichte wird immer wieder künstlich verlängert, weil der ganze Schwindel im Augenblick, in dem er eigentlich auffliegen müßte, durch das Eingreifen des Autors doch nicht auffliegt. Leider bleibt so manche selbst geschaffene Möglichkeit für Tiefgang ungenutzt.
    08.09.2012-14.09.2012
  • Iris Hanika - Tanzen auf Beton
    ++ Der psychische Zustand der Erzählerin rechtfertigt die schreckliche Sprache mit ihren unerwünschten Vereinnahmungen durch unzählige Mans und Wirs, genauso wie das Erzeugen eines Gesamtbildes aus vielen Anekdoten. Das ist gekonnt, aber nicht schön. "Bei Depressionen zu vermeiden!", sollte ganz groß auf dem Umschlag stehen.
    02.09.2012-07.09.2012
  • Sten Nadolny - Weitlings Sommerfrische
    **** Ein Segler wird durch einen Blitzschlag als Geist an die Seite seines pubertierenden Ichs geworfen. Was nach einer Mischung aus "Zurück in die Zukunft" und "The Sixth Sense" aussieht, ist viel mehr: ein sehr schönes Erinnerungsbuch, manchmal tiefsinnig, manchmal altersweise, gelegentlich romantisch, sehr oft witzig, klug und angenehm verspielt.
    31.08.2012-02.09.2012
  • Milena Michiko Flasar - Ich nannte ihn Krawatte
    - Über weite Strecken (die ersten 106 Kapitel) ein sehr schönes und trauriges Buch über den Umgang mit Menschen, die sich nicht anpassen wollen oder können und erschöpft oder verzweifelt aufgeben, doch am Ende gliedern sich die überlebenden Außenseiter wieder ein und eine große Versöhnungswelle spült alle Sorgen hinfort. Ich fühlte mich durch den Schluß ziemlich verarscht.
    30.08.2012-31.08.2012
  • Chad Harbach - Die Kunst des Feldspiels
    ++ Gute Unterhaltung mit Erzähltechniken, die manchmal zu sehr nach "guter Unterhaltung" aussehen: Detailverliebtheit, gute Verfilmbarkeit, Cliffhanger am Kapitelende, künstliches Aufbrechen der Chronologie, um Spannung zu erzeugen oder das ganze Unternehmen literarischer wirken zu lassen. Etwas nervig ist auch der für mich nicht nachvollziehbare Moby-Dick/Melville-Kult oder die gelegentliche, ironiefreie Verwendung von schrecklichen Begriffen wie "Consulting-Sprech". Unterm Strich eher positiv machen das Buch, daß nach einer quälend langen Wartezeit doch Frauen auftauchen, genauso wie ernstzunehmende Konflikte, das Thema Baseball, das es leider selten in deutschsprachige Literaturprogramme schafft, gelegentlicher Witz (z. B. über die Kiesel-an-ihr-Fenster-Romantik, S. 233), die Liebe des Autors zu seinen Figuren und seine Fähigkeit, Stimmungen zu vermitteln, ohne sie zu beschreiben, beispielsweise so: "Die anderen Verlierer aus der Mannschaft des Jungen waren bereits auf dem Parkplatz und knallten ihre Kofferräume zu." (S. 12)
    24.08.2012-30.08.2012
  • Jean Echenoz - Blitze
    ++ Mit einer oft unterhaltsamen Mischung aus Spott und Bewunderung wird ein Bild von Nikola Tesla - hier Gregor genannt - gezeichnet, das zu bereits bekannten Darstellungen (z. B. in "Gegen den Tag" oder "Prestige") paßt. Teslas Spinnereien scheinen sich auch auf die Erzählung auszuwirken, beispielsweise mit der Erfindung eines von Tauben durchgeführten Racheplans. Mit dem Schluß, der elektrische Stuhl sei nur Resultat einer Werbeaktion, mag Echenoz die Grenze des guten Geschmacks überschritten haben, aber vielleicht sollte man das Kunst zugestehen oder als zugespitzte Kritik an der amerikanischen Art zu "leben" verstehen.
    21.08.2012-24.08.2012
  • Jean Echenoz - Laufen
    + Es scheint so, als würde Echenoz Laufen langweilig finden. Die Vermittlung dieses Eindrucks gelingt ihm leider zu gut, was bedeutet, daß er gut schreiben kann, aber nichts daran ändert, daß das Buch einfach langweilig ist. Hinzu kommen ein paar Schlampereien. Einzelne Firmen werden als Industriezweige bezeichnet, eine Stadt mal als Brno, mal als Brünn, Olympische Spiele oft als Olympiade, und glaubt man dem Buch, gab es eine "Olympiade in Bern".
    21.08.2012-21.08.2012
  • Édouard Levé - Selbstmord
    ++++ Kein mitleidiges Warum, kein verzweifeltes Aber und keine Vorwürfe. Obwohl es um eine zweite Person geht, scheint es, als würde sich das eine erste Person für sich vorstellen. Sehr schön, sehr gut und selten traurig, gelegentlich lustig. Und wer sich selbst im Toten sieht, sollte bedenken, daß auch andere mit 17 King Crimson hörten und eine Vorliebe für Literatur haben - und noch leben.
    20.08.2012-20.08.2012
  • Olga Martynova - Sogar Papageien überleben uns
    +++ Dieses Buch einen Roman zu nennen, ist reines Marketing. Es ist viel mehr ein langes Prosagedicht, kühl, präzise, dokumentarisch, gleichzeitig verspielt, vage mathematisch, ein Gleichungssystem mit sich wiederholenden Variablen. Gefühle muß sich der Leser selbst zusammenreimen, als Katalysator wird eine Liebesgeschichte mit verspätetem Heiratsantrag oder die Suche nach der verlorenen Zeit angeboten. Offensichtlich ist aber der trockene Humor.
    18.08.2012-19.08.2012
  • Norbert Zähringer - Bis zum Ende der Welt
    +++ In der ersten Hälfte war ich mit dem Roman recht unzufrieden. Die Atmosphäre fand ich kühl und die Nahtstellen der unterschiedlichen Stränge zu grob. Als dann die Erzählung von der dritten in die erste Person wechselte und das Ich sich wenig später auch noch direkt an eine Adressatin wandte, befürchtete ich, es sei ein Buch, mit dem Autor zu viel auf einmal ausprobieren wolle, aber er rettet es, indem er es wärmer werden läßt und die Fäden stärker verknüpft. Außerdem wird der wachsende Textumfang für Feinheiten wie Bezüge auf sich selbst benutzt (z.B. Abbildung zweier Menschen in einer Weltraumkapsel und einem gestrandeten Koffer), Feinheiten, die den Inhalt unterstreichen, der glücklicherweise nicht allzu philosophisch betriebenen Diskussion über Raum und Zeit, Anfang und Ende und wie der Mensch sich in all dem positioniert oder sich treiben läßt. "Dieses Buch könnte Ihnen gefallen, wenn Ihnen 'Sand' gefallen hat", könnte es in Online-Shops heißen.
    14.08.2012-18.08.2012
  • Oliver Storz - Als wir Gangster waren
    ++ Den Tücken des Erinnerns widmet sich Storz in diesen vererbten Fragmenten und Erzählungen. "Die Freibadclique" bekommt eine leider unvollendete Fortsetzung und es gibt ältere Erzählungen, die als Motive in "Die Freibadclique" wieder auftauchen. "Die Freibadclique" ist als Vorwissen nicht nötigt. Dieses verdirbt sogar (einem aufmerksamen Leser) einen Effekt, auf den Storz wohl in einer Erzählung setzte.
    12.08.2012-13.08.2012
  • Oliver Storz - Die Freibadclique
    ++ Die Geschichte handelt von Fünfzehnjährigen am Ende des zweiten Weltkrieges, ihren Versuchen dem Krieg aus dem Weg zu gehen und der Last der Pubertät irgendetwas Gutes abzugewinnen. Neben der Geschichte spielt in der Erzählung das Thema der Erinnerung die größte Rolle. Wenn man das Buch in einem Stück liest, stört das häufige Nennen der Erinnerungslücken etwas. Auch die Wechsel zwischen dritter und zweiter Person hätte für meinen Geschmack etwas seltener sein dürfen. Die Sentimentalität - besonders im letzten Kapitel - ist dagegen wohl dosiert und der tragische Witz des letzten Satzes paßt perfekt zur Stimmung des ganzen Buches.
    06.08.2012-12.08.2012
  • Michael Maar - Die Betrogenen
    ++++ Maar verläßt für seinen ersten Roman das vertraute Terrain nicht, erschließt es nur anders. Es geht um die Spannung zwischen Werk, Kritik und Biographie, um die allgegenwärtige Eitelkeit und bemerkenswerte Kleinigkeiten, wie Anomalien menschlicher Rhetorik (z. B. S. 20: "Ich will mich ja nicht beklagen"; S. 54: Begriff der "Arbeit" in der Welt der Kunst; S. 66: Autogramm, das der Briefträger erwünscht). Und da Maar weiß wie man schreibt, ist dieses Buch wirklich ein Roman (inklusive viel Lust und Liebe) und kein Essay, also eher unterhaltsam als dozierend, sehr unterhaltsam, überaus köstlich sogar, wenn man weiß, wie nah sein Spötteln dem literarischen Klüngel kommt.
    04.08.2012-05.08.2012
  • Georg Klein - Barbar Rosa
    ++ Die leicht gestelzte, altmodisch wirkende Sprache verleiht diesem oft unwirklichem, derben Krimi eine - im positiven Sinne - sehr eigene Atmosphäre.
    29.07.2012-04.08.2012
  • Jean-Philippe Toussaint - Das Badezimmer
    +++(+) Es stellt sich die Frage, wie dieser Text, dessen mittlerer Teil 'Die Hypotenuse' heißt, den vorangestellten Satz des Pythagoras erfüllen kann, und die Suche des Lesers nach einer Antwort ist vermutlich genau der Unsinn, der in allem steckt, auch schon in der Frage. Es geht aber auch etwas konkreter: Häufiges Motiv sind Bewegung und Bewegungslosigkeit und als deren Synthese die Malerei. Kulisse sind Paris und Venedig als naheliegende Manifestation von Raum und Zeit. Und der hübsche Rahmen ist eine nicht immer harmonische Liebesgeschichte. Aber vielleicht ist es auch ganz anders, einfach eine Recherche en miniature.
    29.07.2012-29.07.2012
  • Dave Eggers - Bei den wilden Kerlen
    - Mit Motiven des legendären Kinderbuches wird dieser Roman konstruiert, der anfangs durchaus die Möglichkeit des Gelingens erahnen läßt, aber bald sprachlich und atmosphärisch enttäuscht, außerdem ziemlich langweilt. Vielleicht soll der leicht sentimentale Schluß das Buch retten, aber das Abendessen ist bestenfalls lauwarm.
    22.07.2012-28.07.2012
  • Lorenza Foschini - Proust's Overcoat
    ++ In der englischen Fassung des Buches ist die Vorbemerkung widerspruchsfrei formuliert, und in den in der deutschen Fassung verwirrenden Textteilen ist die Satzreihung anders, gar nicht mehr verwirrend. Die deutsche Fassung ist also schlecht übersetzt/lektoriert oder der Übersetzer der englischen Fassung hat der Autorin auf die Sprünge geholfen. (Auch die Bildauswahl und Kapiteleinteilung der deutschen und englischen Fassung unterscheiden sich.)
    22.07.2012-22.07.2012
  • Lorenza Foschini - Prousts Mantel
    - "Alles, was hier erzählt wird, hat sich tatsächlich ereignet und die Figuren dieser Geschichte haben reale Vorbilder." Mit diesem ersten Satz bereitet uns die Autorin schon in der Vorbemerkung auf das Chaos vor, das sie hier zu Papier gebracht hat. Längere erzählerische Passagen sind durchaus akzeptabel gelungen, doch leider sind besonders die reportageähnlichen Textteile wirr und kein Lesevergnügen. Mir und der Geschichte, auf die ich mich gefreut hatte, hätte ich eine bessere Erzählerin gegönnt.
    22.07.2012-22.07.2012
  • Jacques de Lacretelle - Silbermann
    - Die gut und schnörkellos erzählte Geschichte der Freundschaft eines protestantischen und eines jüdischen Schülers im Paris der Belle Époque, geschrieben nach dem ersten Weltkrieg, hinterläßt einen zwiespältigen Eindruck. Sie bezieht zwar klar Stellung gegen Antisemitismus, stellt den Juden aber nicht sympathisch dar und gewährt dem Protestanten am Ende den bequemen Weg, versöhnt mit opportunistischen Eltern und tendenziell antisemitischen Mitschülern.
    15.07.2012-21.07.2012
  • Molly McCloskey - Liebe
    -/+/++ Erzählungen, deren Geschichten manchmal ganz nett sind, manchmal aber auch belanglos. Besonders die kürzeren Erzählungen wirken unfertig, skizzenhaft; hatte besser korrigiert werden können. Lieblingserzählung: "Polygamie".
    02.07.2012-15.07.2012
  • Ermanno; Gallioni, Adelchi Libenzi - Robin bei den Piraten
    + Sprachlich und erzählerisch kaum etwas für Erwachsene. Die müssen sich an den Anspielungen auf die Abenteuerliteratur erfreuen.
    27.06.2012-30.06.2012
  • Jean Echenoz - Ravel
    +++ Liebevoll respektloses Porträt in Form eines kurzen Romans.
    26.06.2012-02.07.2012
  • Nigel Nicolson - Virginia Woolf
    ++ Biografie eines Beteiligten, manchmal nicht so persönlich wie erhofft.
    07.06.2012-26.06.2012
  • Virginia Woolf - Zum Leuchtturm
    +++++ Heuchelei, Selbstzweifel, Verachtung, Haß, Depression hinter der Fassade des Alltags eines sommerlichen Ferienidylls grandios in Sprache gefaßt.
    17.05.2012-07.06.2012
  • Julian Barnes - Vom Ende einer Geschichte
    +++ Überraschend vielschichtige Erzählung einer verkorksten Liebesgeschichte.
    11.05.2012-13.05.2012
  • Graham Chapman - Autobiografie eines Lügners
    + Es fing ja ganz nett an, aber schon nach ein paar Seiten verlor ich die Lust am Lesen, was vermutlich nicht am Buch lag, sondern an mir - oder an meinen Erwartungen. Immer wenn Biografisches durch albernen Python-Humor zugekleistert wurde, verlor ich den Faden, fand ihn schlecht wieder und dachte nur noch an einen passenden Filmausschnitt. Die Frage, ob sich eher Biografisches in die Filme oder Klamauk aus den Drehbüchern als Lüge in diese Biografie geschmuggelt hat, kann ein Außenstehender nicht beantworten. Unter dem humorigen Anstrich des Buches leidet die Thematisierung Chapmans Alkoholismus, der Darstellung seiner Homosexualität tut der Spaß eher gut. Sprachlich/literarisch ist das Buch an einigen Stellen gelungen, an anderen nicht. Wie viel Anteil am einen oder anderen die Übersetzung von Harry Rowohlt hat, weiß ich nicht, habe das Original nicht. Ärgerlich fand ich, daß Rowohlts Anmerkungen zur Übersetzung am Ende des Buches versteckt waren. Hat man das Buch erst einmal geschafft und einige Bildungslücken selbst aufgefüllt, so sind diese Anmerkungen vollkommen überflüssig. Als Fußnoten im Text wären sie wesentlich angenehmer gewesen, hätten einiges Abdriften zu Wikipedia überflüssig gemacht und den Lesefluß verbessert. Trotz allem freue ich mich auf die Verfilmung.
    05.04.2012-10.05.2012
  • Dea Loher - Bugatti taucht auf
    ++(+) Bei der Lektüre des Romans habe ich mich immer wieder gefragt, was das alles solle. Die Verdeutlichung der Sinnlosigkeit des menschlichen Tuns ist höchstwahrscheinlich auch der gewünschte Effekt, geht es doch im Kern um einen grundlosen, überhaupt nicht nachvollziehbaren Mord oder Totschlag und eine ebenso irrationale Reaktion darauf, nämlich der Bergung eines im Lago Maggiore versenkten Bugattis. Der leider sehr kurze erste der drei Romanteile besteht aus dem Tagebuch des depressiven Bildhauers Rembrandt Bugatti, jüngerer Bruder des Autobauers Ettore Bugatti. Der zweite Teil schildert äußerst nüchtern durch die Zusammensetzung von Zeugenaussagen bzw. Vernehmungsprotokollen die Tat. Der dritte, wirklich romanhafte Teil handelt von der Bergung des Autos. Der erste und dritte Teil lesen sich leicht, der zweite Teil ist jedoch sehr anstrengend zu lesen. Über etwa fünfzig Seiten gestaltet sich der Text so: "Er wird einräumen, dass er nicht gewusst habe, was zwischen den beiden passiert sei, dass er sich nur ausgedacht habe, was hätte passiert sein können. Er wird sagen, Branko habe ihm später an dem Abend erzählt, dass Luca versucht habe, ihn zu schlagen." (S. 51) Trotz allen handwerklichen Könnens hat mich der Text nicht wirklich begeistert, vielleicht weil ich bei all der Sinnlosigkeit auf einen Ausgleich im Erzählerischen gehofft hatte. Das Versprechen, das der erste Teil hier machte, wurde im dritten Teil zu selten eingelöst. Kapitel 36 hat mir am besten gefallen.
    01.04.2012-04.04.2012
  • Felix Mennen - Schwarze Sonne
    +++ Dieser Krimi, der passenderweise Anfang April, kurz vor Ostern* hauptsächlich im Monbijoupark, in der Krausnick-, Gips- und Husemannstraße spielt, teilweise in Paris, hätte auch von mir stammen können. Einige seiner Zutaten sind mir so vertraut, daß ich mich frage, ob ihn nicht in Wirklichkeit ich geschrieben habe und der im Buch angegebene Autor nur eine Erfindung von mir ist, eine weitere Fiktionsschicht. Aber natürlich/leider ist der Roman, trotz zufälliger Ähnlichkeiten mit meinem Leben und einem Krimi, den ich mal geschrieben habe, nicht von mir. Ich hätte den Fundort einer Leiche nicht wider besseres Wissen als Tatort bezeichnet (S. 51/79/171f), hätte ganz bestimmt nicht "Feliz saugte an seiner Zigarette" geschrieben (S. 149, ähnlich S. 74/177), den Jahreswechsel 1999/2000 nicht als Jahrtausendwechsel bezeichnet (S. 156) und hätte vermutlich in der ersten und nicht in der dritten Person erzählen lassen. Diese paar Kleinigkeiten können der rätselhaften Atmosphäre, einer Mischung aus Angel Heart und Lost Highway, aber nichts anhaben... (*Das Jahr läßt sich nicht genau bestimmen, was sicherlich Absicht ist. Im Jahr der Handlung fällt der 3. April auf einen Samstag (S. 115), was u.a. auf 2010 zutrifft. Außerdem soll die Handlung zehn bis elf Jahre nach 1999 stattfinden (S. 147/155). Auch das paßt also. Allerdings soll der 3. April eine Woche vor Ostern liegen (S. 7) und nicht wie 2010 zwischen Karfreitag und Ostersonntag. 2004 lag der 3. April auf einem Samstag und eine Woche vor Ostern, doch das liegt keine zehn bis elf Jahre nach 1999.)
    31.03.2012-01.04.2012
  • Hans Platzgumer - Trans-Maghreb
    +++(+) Ein Tiefbauingenieur erzählt, Bier trinkend vorm Fernseher in Wien, während Bilder aus Libyen und Fukushima auf ihn einstürmen, seine Erlebnisse beim Bau einer von Gaddafi beauftragen Bahnstrecke und kommentiert gleichzeitig den Zustand der Menschheit und ihrer Welt. Das Sitzen vorm Fernseher, das Sein in der Medienwelt, wird im Präsens erzählt, wodurch Gaddafi schon rein grammatikalisch zur Vergangenheit wird. Warum allerdings ab Seite 91 auch die aus der Sicht der wiener Gegenwart libysche Vergangenheit im Präsens erzählt wird, weiß ich nicht. Vielleicht ist es ein Versehen, das durch Textumstellungen passierte, oder ein Kniff, den ich gar nicht hätte wahrnehmen sollen. Die sehr unterhaltsame Mischung aus Witz, Liebenswürdigkeit und Ernsthaftigkeit erzeugt Tausendsassa Hans Platzgumer dadurch, daß er alles gerecht verteilt, das eigene Leben als Witz, die Afrikaner sympathisch und die Welt als Zumutung schildert. Trotz vermeintlich bekanntem Ausgang der Geschichte wird etwas Spannung erzeugt. Die verdanken wir der Ungenauigkeit der Fernsehbilder, die Zweifel am Vermuteten nicht ausräumen können. Die Gestaltung des Buchs ist sehr schön: farblich harmonischer Schutzumschlag mit wohlplatziertem Text, geriffelte Pappe auf dem Einband, Fadenheftung und Leseband.
    30.03.2012-31.03.2012
  • Olga Grjasnowa - Der Russe ist einer, der Birken liebt
    +++ Krieg, Vertreibung, Flucht und Heimatlosigkeit durchziehen die Biografien der wichtigsten Figuren dieses Romans. So anstrengend, wie ein solches Leben ist, ist auch manchmal die Lektüre der Erzählung. Es gibt ein paar sprachlich weniger gute gelungene Stellen und einmal hätte die Autorin auf Details verzichten sollen, statt die gewählte Erzählperspektive der ersten Person zu kompromittieren, aber dennoch mag ich das Buch und das liegt an einer klassisch traurigen Liebesgeschichte, die das Buch auch zu bieten hat, einem Einzelschicksal, das nicht durch politisch oder religiös motivierte Gewalt entscheiden wird.
    26.03.2012-30.03.2012
  • Péter Nádas - Parallelgeschichten
    ++++ Wer von diesem Mammutwerk erwartet, es sei ein Schlußpunkt der modernen oder postmodernen Literatur oder gar eine Synthese aus beiden, eine Mischung aus Proust und Pynchon, könnte enttäuscht werden, wenn auch nur ein bißchen. Es gibt viele unterschiedlich stark miteinander verknüpfte Handlungsstränge, viele Rückblenden in Form von mehr oder weniger spontanen Erinnerungen, Personen, die unauffällig auftauchen und wieder verschwinden, auch lassen sich die Erzähler (es gibt mehrere) viel Zeit und den Leser teilweise länger als nötig im Unklaren (beispielsweise über die Identität der Handelnden), und doch läßt sich dieses Buch angenehm leicht lesen. Man durchschaut recht schnell die Erzähltechnik (verspätete Namensnennung, Erzählerwechsel, Dramaturgie jedes einzelnen Kapitels, offenen Enden einzelner Handlungsstränge, Fehlen von Fragezeichen und Anführungsstrichen, Absatzwechsel in Dialogen bedeuten nicht Sprecherwechsel etc.) und kann sich darauf einstellen. Das Thema des Romans läßt sich nicht mit einem Begriff erschlagen. Würde man es versuchen, wäre der vermutlich "Unglück", denn unglücklich sind hier alle Figuren, aber das wäre wirklich nicht besonders aussagekräftig. Die Figuren leiden unter dem Hin- und Hergeworfensein in den politischen (besonders den ungarischen) Verhältnissen des zwanzigsten Jahrhunderts, unter familiären und ökonomischen Zwängen und immer an ihrer Sexualität. Sex (häufig schwuler) oder die Suche danach nimmt dann konsequenterweise auch den größten Raum in der Erzählung ein. Diese Passagen fand ich allerdings weniger berührend als die Passagen (hauptsächlich im dritten Buch), in denen versucht wird, die Grenze zwischen Liebe und Haß (Kristóf/Klára, Ágost/Gyöngyvér, Döhring/Kienast, Nínó/István, Gyula Balter/Varró) auszuloten. Die Lektüre ist jedoch nicht immer traurig, manchmal kann man auch schmunzeln. Eine Figur sieht in einer Wohnung ein Gemälde, macht sich die üblichen Gedanken über Kunst im Privatbesitz und muß später feststellen, daß ihm sogar der Zugang zu der abgebildeten Landschaft erschwert wird, denn es handelt sich um ein FKK-Gebiet und er mag sich gerade nicht ausziehen. Auch die rasante Autofahrt durch die Pester Innenstadt am Nationalfeiertag ist sehr amüsant, mutet sie doch wie eine Parodie auf sehr viele Filme an. Die Lektüre fällt leicht, aber der Erzählung fehlt es manchmal an Leichtigkeit. Einige Stellen scheinen auf Lexikonwissen zu basieren (z. B. epileptischer Anfall im Schwimmbad) und Details, die man erwarten kann, werden umschifft (z. B. Geertes Sprache, S. 270). Und dann gibt es da natürlich noch ein paar weniger schöne Formulierungen wie beispielsweise "Derjenige aber, der ohne weiteres ans Telefon hätte gehen können [...], war einfach nicht in der Lage dazu." (S. 64), "Während ich an die abblätternde Wand gedrückt aufwärts huschte, [...]", "[...] wenn die Luft allmählich dunkel wird [...]" (beides S. 1248), "Am leeren Himmel stand [...] der Mond." (S. 1314) oder "flüsterten [...] die Lippen" (S. 1515). Auch der Romantitel scheint mir leider nicht sehr treffend zu sein, aber da bin ich bestimmt mal wieder zu pingelig...
    28.02.2012-25.03.2012
  • - Péter Nádas lesen
    + "Bilder und Texte zu den 'Parallelgeschichten'" heißt es gleich unter dem Titel zur inhaltlichen Einordnung. Auf der Rückseite des Umschlags heißt es dann "kein Buch zum Buch". Der Verlag versucht, dieses Buch also Lesern und Nichtlesern der "Parallelgeschichten" schmackhaft zu machen. Wer das Buch dann, aus welchen Gründen auch immer, kauft und liest, wird feststellen, daß es doch ein Buch zum Buch ist, was ja nicht schlecht ist. Nur den fünften Teil, "Statt einer Kritik", sollte man vielleicht erst nach "Parallelgeschichten" lesen. Oder man vergißt die Inhalte, die einem über den Kriminalfall mitgeteilt werden, gleich wieder. Auch gibt es in diesem Teil immer wieder Leerstellen, die eventuell durch Kürzungen entstanden sind oder vom Leser der "Parallelgeschichten" gar nicht als solche empfunden werden. Auf einige etwas unscharfe und wenig kontrastreiche Bilder hätte verzichtet werden können, gedruckt auf Normalpapier verstärken sich die Mängel nur.
    27.02.2012-28.02.2012
  • Wolfgang Herrndorf - Sand
    +++/- Dieses Buch scheint ein Experiment zu sein: In wieweit kann eine erzählte Geschichte einen unaufmerksamen Leser vor ein zu lösendes Rätsel stellen, während der aufmerksame Leser sich über den Hergang der Geschichte im Klaren ist und trotzdem unterhalten fühlt? Der Erzähler legt nicht absichtlich falsche Fährten oder verheimlicht relevante Details, präsentiert einem aber auch nicht alle Zusammenhänge auf einem silbernen Tablett, so daß das Experiment durchaus geglückt ist. Weitere Pluspunkte sind die durchgängig guten Dialoge und das geschickte Umbiegen der "realen" Geschichte, wie das Einschmuggeln einer fiktiven Person in einen Lexikonartikel und die Liste der Prix-Goncourt-Gewinner. Julien Gracqs Name wurde dafür getilgt, was ihn selbst vielleicht am meisten gefreut hätte. Nebenbei beweist es die literarische Bildung des Autors. Die Kapitel sind kurz und zahlreich, was eigentlich unproblematisch ist. Jedoch beginnt jedes mit einem mehr oder weiniger witzigen Zitat (nicht immer mit korrekter Quellenangabe) und stört so den Lesefluß. Witzig soll es auch in der Erzählung zugehen. Situationskomik, teilweise in Form einer Hommage, gelingt oft genug, der Wortwitz wie "[Sie] konnte man in zwei Worten beschreiben: schön und dumm.", "Eine Geschichtsschreibung [...] in mündlicher Form.", "Und jetzt hatte Lundgren ein Problem. Lundgren war tot.", "Der Mann in sonnengebräunter Kleidung und karierter Haut." oder "Hebelgesetze" wirkt jedoch abgestanden. Auch ist nicht witzig, eine Erhebung mal als Felsnadel und im nächsten Satz als Kegelberg zu bezeichnen. Wenn dann noch ein "ärmelloses T-Shirt" auftaucht oder jemand in der Wüste durch ein "Geräusch am Himmel" aufgeschreckt wird, entsteht zunehmend der Eindruck von Schludrigkeit. Eine etwa hundertjährige Frau wird mit "sie hatte ein Gesicht, das nur aus Falten bestand, mit zwei Löchern als Augen" beschrieben. Mund und Nase müssen also Falten sein oder existieren nicht und die Frau atmet über einen Luftröhrenschnitt, was aber nicht erwähnt wird. Aber gleich im nächsten Satz heißt es "aus dem jeweils tieferen Mundwinkel floss ein schwarzer Sud." Ergo: Der Mund ist eine Falte oder die Augen sind auch der Mund. Nein, die Augen sind die Münder. Denn welchen Sinn hätte sonst das "jeweils"? Und bin ich erst einmal im Modus "pingelig", dann stören mich auch zwei gleich große Hälften, mit Bast bespannte Sitzflächen oder Luft, die durch Backenzähne eingezogen wird. Etwas mehr Sorgfalt hätte dieses Buch zu einem uneingeschränkt unterhaltsamen Vergnügen machen können.
    23.02.2012-27.02.2012
  • Irmgard Keun - Das kunstseidene Mädchen
    +++ Die achtzehnjährige Doris nimmt alles mit, was sie kriegen kann, und als sie mal zuviel mitnimmt, flieht sie nach Berlin. Dort findet sie sich während der Wirtschaftskrise nicht zurecht, aber sie findet Freundschaft und später sogar Liebe. Die schnoddrige Sprache der Icherzählerin nervt anfangs sehr, reift aber zusammen mit ihrem Charakter, und am Ende ist man dank einiger wirklich schöner Formulierung mit dieser Rollenprosa versöhnt. Die schnelle Entwicklung der Erzählerin vom Trampel zur Nachdenklichen in weniger als einem Jahr ist nicht unbedingt glaubwürdig, unterstreicht nur das Konstruierte der Geschichte, rettet aber so die Autorin davor, für die Erzählerin gehalten zu werden. Mit der wachsenden Sensibilität der Erzählerin droht immer wieder Kitsch, doch dann erweisen sich die Reste von Grobheit in der Sprache als gutes Gegenmittel.
    19.02.2012-23.02.2012
  • Brian Selznick - Die Entdeckung des Hugo Cabret
    +++ Eine schöne, sentimentale Geschichte, mal mit Wörtern, mal in Bildern erzählt, um Mißtrauen und Geheimnisse, ein Kinderbuch für Cineasten. Bleibt noch zu klären, ob ein paar sprachliche Schwächen und falsche Seitenzahlen bei Bildnachweisen dem Original oder der Übersetzung anzulasten sind.
    18.02.2012-19.02.2012
  • Thomas Pynchon - Gegen den Tag
    ++++ Physik und Metaphysik kunstvoll und anspruchsvoll, aber hauptsächlich unterhaltsam, witzig und manchmal sogar romantisch verpackt in einem Mix aus Genres, die sonst oft der trivialen Literatur zugeordnet werden: Abenteuer, Western, Science-Fiction, Spionage, Pornographie. Pynchon kombiniert seine Fiktion mit Geschichte, garniert sie mit Kapitalismuskritik, Anarchie und der Ahnung eines Blutrauschs. Seine Ideen sind nicht immer neu, beispielsweise Nikola Tesla in Zusammenhang mit Zauberei zu bringen, aber die 1596 Seiten sind so reichhaltig - beispielsweise wird Tesla als möglicher Verursacher des Tunguska-Ereignises ins Spiel gebracht -, daß einige Anleihen nicht negativ auffallen, vielleicht sogar helfen, die Orientierung zu behalten, denn es gibt ziemlich viele Personen, die alle mit allen irgendwie zu tun haben und auch wieder nicht. Weniger hilfreich sind Fehler in der deutschen Version wie zum Beispiel "Merle und Rideout", wenn es "Merle und Roswell" heißen müßte, "es ihm fiel schwer" statt "es ihm schwerfiel" oder falsch gesetzte Anführungsstriche. Ausnahmsweise plädiere ich für das Lesen der Originalversion. Mit der Textmasse waren die Korrektoren vermutlich überfordert.
    22.01.2012-18.02.2012
  • Nagib Machfus - Das Hausboot am Nil
    +++ Eine Gruppe Mittelschichtler trifft sich täglich am Fluß zum Kiffen, sieht sich selbst als Familie und wird nichts ahnend das Personal eines Dramas.
    20.01.2012-21.01.2012
  • Jeffrey Eugenides - Die Liebeshandlung
    +++(+) Providence, Rhode Island, 1982, College-Abschluß: Madeleines akademisches Interesse gilt nicht Proust, sondern den Autorinnen des viktorianischen Zeitalters. Ihr privates Interesse galt einmal Mitchell, einem intelligenten, schüchternen angehenden Religionswissenschaftler. Weil er sie aber zu sehr liebte und nichts falsch machen wollte und sie ihre (sexuellen) Bedürfnisse nicht deutlich genug zeigte, blieb die Beziehung größtenteils platonisch, bis sie ganz auseinanderbrach. Zwischen ihr und dem Frauenschwarm Leonard, angehender Biologe, klappt es anfangs, besonders sexuell, wesentlich besser. Leonard liebt Madeleine, was aber nichts daran änderte, daß er mansich-depressiv ist. Mitchell flüchtet mit seinem besten Freund Larry nach Europa mit dem weiteren Ziel Indien, stellt aber in Europa fest, daß Larry schwul ist, der das vielleicht auch erst dort begreift. Angereichert wird die Szenerie mit Eltern, Geschwistern, Professoren, Mitstudenten, Mitbewohnerinnen und Drogen, medizinischem und biologischem Fachwissen, Religions- und Literaturgeschichte, Semiotik und vielen, vielen Namen. Aus unterschiedlichen Perspektiven wird die Geschichte teilweise mit Wiederholungen und Überlappungen erzählt, was das Lesen nicht schwieriger, sondern leichter macht, das Gedächtnis entlastet. Leonards Krankheit, Mitchells Träumerei und Madeleines Ziellosigkeit sind sehr gut nachvollziehbar, besonders am Anfang ist der Roman trotzdem ziemlich leicht. Der unterschwellige Witz (alte englische Literatur in Neuengland etc.) und die Gelehrsamkeit (Details zu Religionen, Semiotik, Literatur etc.) tragen vermutlich dazu bei. Im Lauf der Erzählung verflüchtigt sich die Leichtigkeit und sie gewinnt an Ernsthaftigkeit. Insgesamt ist der 620-Seiten-Roman sehr gute Unterhaltung, und über ein paar mißlungene Sätze wie beispielsweise "Nackt war sein Körper beinahe unbehaart." (S. 54), "Nachts rüttelte eine unsichtbare Hand sie alle paar Stunden wach." (S. 129) oder "Im Bad wehte ein Geruch von frisch gemähtem Gras durchs Fliegenfenster, während sie sich die Zähne putzte." (S. 516) läßt sich bei guter Laune hinwegsehen, auch über eine "größere Hälfte" (S. 518).
    10.01.2012-19.01.2012
  • Pierre Michon - Die Grande Beune
    +++ "Ich befand mich in einem obszönen Fabliau." (S. 45)
    09.01.2012-10.01.2012
  • Louis Begley - Schmidts Einsicht
    **** Begley ist schonungslos, aber fair, also objektiv. Frauen tun nicht nur Männern etwas an, Kindern nicht nur Eltern, Protestanten nicht nur Juden, Reiche nicht nur weniger Reichen, er betrachtet auch immer die andere Seite der Medaille, also auch was Männern Frauen antun, Eltern Kindern, wie sich weniger Reiche und Juden rächen. Mittendrin ist immer Schmidt, den Begley nicht zum eigenen Portrait werden lassen möchte, ihn deshalb zum Antisemiten macht und die Geschichte in der dritten Person erzählt. Ich habe mich aber immer wieder dabei ertappt, über die dritte Person überrascht zu sein. Das Konzept der dritten Person durchkreuzt Begley nämlich selbst dadurch, daß er lange Passagen in wörtlicher Rede erzählt, die wörtliche Rede aber nie in Anführungszeichen setzt. So ist Schmidt nicht auf dem Papier, aber im Kopf des Lesers der Erzähler der Geschichte. Die kritische Betrachtung von Schmidts weniger schönen Seiten in der dritten Person wird dadurch in der ersten Person im Kopf des Lesers zur titelgebenden Einsicht. Wie viel Schmidt nun wirklich von Begley hat, wird der selbst am besten wissen und vermutlich nicht verraten. Wenn Schmidt in seiner Lieblingsbäckerei Croissants kauft, dann sehe ich jedenfalls Begley vor mir, irgendwo in Strandnähe auf Long Island. Die eine oder andere Eigenschaft, vermutlich eher die angenehmen, wird Begley Schmidt wohl vererbt haben. Nicht nur das geschickte Spiel mit der Erzählperspektive ist Begley meisterlich gelungen. Egal wie lang seine Sätze werden, sie lassen sich immer leicht lesen. Der Leser muß sich nicht an die anderen beiden Schmidt-Bücher erinnern, Begley holt das bereits Erzählte an den wichtigsten Stellen zurück. Sprünge in der Zeit erscheinen natürlich, wenn die Geschichte das Übersprungene nicht braucht, oder sie wirken hart, aber dann wird das Auslassene nachgeholt, wenn es in den Fluß der Erzählung paßt, oder es wurde bereits erzählt. Der Erzählfluß steht über der Chronologie der Ereignisse. Begleys feiner Humor läßt mich auch über eine Anspielung auf die Weihnachtsgeschichte (S. 263) schmunzeln, obwohl ich alles andere als ein Weihnachtsfan bin. Und der eine oder andere winzige Fehler macht dieses Meisterwerk seltsamerweise noch sympathischer, gewährt einen Einblick in die Werkstatt, zum Beispiel in die der Übersetzerin: "Aber er aß mit Alice zu Abend und blieb die Nacht bei in ihrer Wohnung." (S. 159)
    02.01.2012-08.01.2012
  • Heinz Strunk - Fleisch ist mein Gemüse
    ++ Anfangs interessant und mit gutem Erzählfluß, später langweilig und etwas fragmentarisch. Heinz Strunk selbst: "Tanzmusik war Teil meines Lebens. Daß dieser Abschnitt so trist ausfiel, dafür kann die Tanzmusik nichts, sie hat nur hervorragend dazu gepaßt."
    21.12.2011-31.12.2011
  • Thomas Melle - Sickster
    +++ Unterschiedliche, gleichalte - irgendwie immer junge oder fast noch junge - Menschen, werden beobachtet, wie sich ihre Wege beruflich und privat kreuzen. Die Sprache paßt sich recht gekonnt dem gerade im Fokus stehenden Charakter an, mal ist sie polternd, überheblich, mal sanft, zurückhaltend, schüchtern, mal schrill. Manchmal sind Veränderung und Anpassung sehr deutlich, manchmal wecken auffällige Gemeinsamkeiten Zweifel. Und wenn dann das Personal mit dem Erzähler kommuniziert, fragt man sich, ob es in dieser Geschichte nicht mehr Personen als Menschen gibt, und wer hier eigentlich verrückt ist - man selbst? Oder ist alles doch ganz harmlos und genau so, wie es scheint? Ein Buch wie zwei Filme, einer von David Fincher, einer von David Lynch.
    11.12.2011-20.12.2011
  • Michal Hvorecky - City: Der unwahrscheinlichste aller Orte
    - Eine revolutionäre Stimmung in naher Zukunft und der Stadt "City" benutzt der Protagonist, um sich seiner Pornografiesucht zu entledigen. Er stilisiert eine beliebte Kolumnistin zur Führerin und sich zum konsumkritischen Messias, ist dabei aber selbst genauso oberflächlich wie die Konsumwelt. Wenn die Stadt etwas Individualität zeigt, erinnert sie an Berlin, soll es aber nicht sein. Sie bleibt nur Kulisse und auch ihre Bewohner sind nicht mehr, nur dumme, folgsame Masse. Selbst dem Icherzähler kommt man nicht wirklich nahe. Er beschränkt seine Erzählung auf die Beschreibung von Oberflächen und Handlungen. Zu einigen sprachlichen Entgleisungen ("Die große Sonne war wie ein Feuer.") und unpassenden Oxymora wie "schmutzige Sterilität" und "blinde Blicke" (vermutlich waren "leere Blicke" gemeint) oder Starren, das nur einen Bruchteil einer Sekunde dauert, gesellen sich auffällige Tipfehler, so daß ich nicht entscheiden kann, ob das Original schon unerquicklich war oder es erst die Übersetzung ist. Zuende habe ich das Buch nur gelesen, um sicherzugehen, daß am Ende nicht doch noch ein netter Ah-Effekt steht, irgendeine Aussage oder Botschaft.
    12.11.2011-06.12.2011
  • Antonia Baum - Vollkommen leblos, bestenfalls tot
    -/+ Im jugendlich hastenden Monolog werden die Effekte/Stilmittel konsequent bis zum Schluß benutzt, leider viel zu oft, denn schon nach dem ersten Kapitel fangen sie an zu nerven. Positiv ist, daß man sich einbilden kann, es sei Absicht, daß die Erzählerin genauso nervend ist wie die beschriebenen Yuppies. Durch das letzte Kapitel, in dem sie sich den anderen Nervenden ab- und sich zuwendet, entsteht am Ende ein halbwegs versöhnlicher Gesamteindruck.
    06.11.2011-11.11.2011
  • Christoph Simon - Viel Gutes zum kleinen Preis
    +++ Für Phantasielose ist das Buch witzig, für Humorlose subversiv, für Teilnehmer am Literaturbetrieb eine Standortbestimmung und für normale Menschen ein alltagstauglicher Ratgeber und Anleitung zur psychologischen Selbsthilfe. Und wer etwas über den Tellerrand hinaus schaut, hat so manches Ah-Erlebnis. Mir wurde beispielsweise klar, warum ich auf Skipisten immer leicht surreale Eindrücke habe. Das liegt daran, daß die meisten Skifahrer sich verhalten wie es Igel tun sollten.
    02.11.2011-06.11.2011
  • F. Scott Fitzgerald - Der große Gatsby
    + Die tragische Liebesgeschichte, erzählt in einer Stimmung zwischen Leichtigkeit und Melancholie, könnte viel schöner sein, wenn es weniger handwerkliche Mängel gäbe.
    12.10.2011-01.11.2011
  • Judith Schalansky - Der Hals der Giraffe
    **** Die vom Darwinismus geprägte Weltsicht einer zutiefst unsympathischen Biologielehrerin macht es einem nicht leicht, dieses Buch zu mögen. Aber es passiert, vielleicht durch den stellenweise aufkeimenden Witz der Erzählung - beispielsweise entstehen Kohls "Blühende Landschaften" hier in verlassenen Plattenbausiedlungen - oder durch die der Lehrerin eingepflanzten Gedanken, die man selbst nicht wagen würde zu denken. Wissenschaftliche Betrachtungen, Beschreibungen sozialer und politischer Entwicklungen und Zustände werden genial in eine adäquate Form gebracht. Das grobe Leinen des Umschlags gibt dem Buch buchstäblich einen DDR-Touch, die Kopfzeilen erinnern an wissenschaftliche Arbeiten, ebenso wie die feinen Illustrationen. Die knappe und einfache Sprache, die eine bedeutungslose Leichtigkeit vermittelt, wandelt sich erst gegen Ende zusammen mit dem Zusammenbruch des gewohnten Lebens. Mitleid mit den tragischen Figuren kommt deshalb frühestens auf, nachdem man das Buch aus der Hand gelegt hat. Eine Sensation ist dieses Buch nicht, es ist besser. Auch ein Meisterwerk ist es nicht, denn der Begriff ist so abgenutzt wie nichtssagend. Es ist viel mehr, vielleicht der titelgebende Hals der Giraffe.
    17.09.2011-03.10.2011
  • Christian Stöcker - Nerd Attack!
    + Kurzweilige, meist unterhaltsame Geschichte des Internets, bei der der Schwerpunkt auf gesellschaftlichen Aspekten liegt, technische Details werden ausgelassen, aber auch als Vorwissen nicht benötigt. Manchmal ist die Darstellung etwas oberflächlich - vermutlich, um unterhaltsam zu bleiben - und manchmal werden "Fakten" durch persönliche Erinnerungen ersetzt. Die Kritik an Konzernen und Politik ist vorhanden, aber moderat. Internetnutzern wird meist gut begründetes Verständnis entgegen gebracht. Der Buchtitel ist nicht ganz passend, sprachlich insgesamt nicht gerade eine Perle, aber inhaltlich wohl ohne grobe Fehler.
    08.09.2011-11.12.2011
  • William Boyd - Nat Tate
    ++ Boyd wirft hier einen flüchtigen Blick in die New Yorker Kunstszene der 1950er Jahre. Nat Tate bleibt dabei wesensbedingt nur eine Nebenfigur.
    20.07.2011-20.07.2011
  • Matthias Zschokke - Lieber Niels
    "Ein Überfall auf die Leserschaft. Exzentrisch, egoman und extravagant. Ein Mahlstrom der Zeit." heißt es auf dem Umschlag. Dem kann ich zustimmen, dem abschließenden Urteil "Hinreißende Literatur" aber ganz und gar nicht. Dieses Buch ist eine Zumutung, was bitte in keinster Weise positiv interpretiert werden soll. Normalerweise halte ich selbst die nervigsten Bücher bis zum Ende durch und hoffe bis zum Schluß auf eine Belohnung. Die bleibt in der Regel aus und deshalb traue ich mich, dieses Buch schon auf Seite 70 aus der Hand zu legen. 750 eng bedruckte Seiten mit Emails, deren literarische Qualität ohne große Aussicht auf Erfolg gesucht werden muß, die nicht unterhalten, sondern nerven will ich mir nicht weiter antun. Dafür ist mir meine Zeit einfach zu kostbar, da gehe ich lieber arbeiten. Dort bekomme ich zwar auch immer Emails zu lesen, die die mangelnde Fähigkeit mit Computern umgehen zu können dokumentieren, ihnen fehlt aber glücklicherweise jeder künstlerische Anspruch. Außerdem bekomme ich die Auseinandersetzung mit ihnen auch noch bezahlt. Ich bedaure, Geld für dieses Buch ausgegeben zu haben. Schmerzensgeld wäre angebracht.
    19.07.2011-...
  • Luc Boltanski - Die Vorhölle
    ++++ Sehr traurig, sehr treffend, sehr schön, jeder einzelne Vers; zu kurz, zu gut, um nur einmal gelesen zu werden; besonders wirkungsvoll in der Dunkelheit eines kalten Dauerregens.
    17.07.2011-18.07.2011
  • Heinrich Steinfest - Gewitter über Pluto
    + Krimi mit einem ehemaligen Pornodarsteller als Strickwarenhändler, mit versteinerten Flugsauriern, mit methusalemalten Außerirdischen und einem klischeeerfüllenden Wien in den Hauptrollen; unterhaltsam, witzig, sarkastisch, kabarettistisch, aber von allem etwas zu viel; gelegentlich unlogisch oder nicht nachvollziehbar, beispielsweise, wenn "über" "unter" sein müßte oder die fingierte Mondlandung ein Geschenk an Kennedy sein soll. Ein auktorialer Erzähler, der anfangs nichts von Außerirdischen weiß, aber nach Einschüben eines außerirdischen Icherzählers wie selbstverständlich über sie erzählt, ist nicht unplausibel, mutet aber wie ein Konstruktionsfehler an.
    05.07.2011-16.07.2011
  • Lars Gustafsson - Gegen Null
    +++ Interdisziplinäres Philosophieren, das Spaß macht. Manchmal wirkt der Text etwas zusammengestückelt, was aber nicht sonderlich stört.
    03.07.2011-05.07.2011
  • Nicole Krauss - Die Geschichte der Liebe
    +++ Die romantische Geschichte eines Buches wird durch die geschickt verspielte Konstruktion der Erzählung nie kitschig. Die Übersetzung hätte an einigen Stellen etwas genauer sein können. So wird aus "Life is butiful" (Penguin, 978-0-14-101997-0, S. 79) "Das Leben ist wundevoll" (S. 113), was als Wortspiel aufgefaßt werden kann - denn schließlich ist das Leben voller Wunden -, aber nicht als solches gemeint ist. Für die orthografische Besonderheit des "butiful" hätte es bestimmt eine wortspielunverdächtige Übersetzung gegeben. Im eigentlich schönen "Die Grammatik meines Lebens: Als Faustregel gilt, wo immer ein Plural auftaucht, setz ihn in den Singular. Sollte mir je ein königliches Wir entschlüpfen, erlöse mich mit einem kurzen Schlag auf den Kopf von meinen Qualen." (S. 123) stört der "kurze Schlag", denn ein wesentliches Merkmal des Schlags ist ja seine Kürze. Ein "swift blow" (S. 86) ist wohl eher ein "leichter Schlag" oder ein "Klaps".
    29.06.2011-03.07.2011
  • Bjarke Ingels - Yes is More: Eine Archicomic zur Evolution der Architektur
    - Der Versuch, ein Architekturkonzept als Comic zu präsentieren, ist interessant, mißlingt in diesem Fall aber. Der Inhalt wird von der Form niedergewalzt, geht in viel zu kleinen Bildern verloren, wird von Sprechblasen überdeckt und unwesentlichen Präsentationseffekten geopfert. Selbstverliebt und oberflächlich, einer Werbeschrift gleich, wird das Konzept anhand zu vieler Beispiele präsentiert, so daß durch das Auslassen von Details der Eindruck entsteht, es würde einem etwas verschwiegen.
    26.06.2011-28.06.2011
  • Frédéric Beigbeder - Ein französischer Roman
    - Künstlerisch, aber nicht kunstvoll, will klug sein, nervt aber nur. Bei einem französischen Icherzähler ohne eigene Persönlichkeit, die nur aus Zitaten zusammengestückelt ist, muß das Ergebnis vermutlich so aussehen, überflüssig ist's trotzdem, selbst wenn genau das die Aussage sein sollte. Bret Easton Ellis gelingen solche Texte - vielleicht weil er als Amerikaner radikaler oberflächlich sein kann? Die sympathischste, nicht unbedingt sympathische, Figur des Romans ist ausgerechnet ein Polizist. Über einige zynische Stellen, beispielsweise die Charakterisierung des Gesellschaftskonstrukts Familie (S.53) oder die Beschreibung des Strandlebens der Touristen (S. 60), kann man schmunzeln. Einige Stellen sind gut gelungen - zum Ende hin wird der Text versöhnlicher -, die allerdings immer wieder durch große Ärgernisse verdrängt werden. Beispielsweise bittet der Erzähler für eventuell falsche Orthographie in einem baskischen Zitat um Vergebung (S. 124), obwohl dieser Roman eigentlich nur in Gedanken geschrieben wird, da im Knast die Hilfsmittel fehlen (S. 13), Orthographie also überhaupt keine Rolle spielt und bei der späteren Niederschrift kommentarlos hätte korrekt sein können. Und wenn ich erst einmal genervt bin, dann stört es mich auch, daß mir weisgemacht werden soll, auf einer Schalplattenseite seinen mehrere konzentrische Rillen (S. 152/250), nur damit der Vergleich mit Wellen nicht so abwegig ist.
    25.06.2011-26.06.2011
  • Jim Dodge - Fup
    ++ "Es ist einfach nicht möglich, manche Sachen zu erklären, vielleicht sogar die meisten Sachen nicht. Es ist interessant, sie zu bestaunen und ein paar Vermutungen anzustellen, aber die Hauptsache ist, daß man sie akzeptieren muß -, sie als das nehmen, was sie sind, und weiter im Text." (S. 124)
    24.06.2011-25.06.2011
  • Christian Uetz - Nur Du, und nur Ich
    ++ Die kunstvolle Sprache schafft Platz für eine theologisierende, mythologisierende, intelligent humorvolle, selbstzerstörerische Auseinandersetzung mit der "Superpsychose Liebe". Um sich und Geliebte in der Geschichte wiederzufinden, muß man Handlungsmuster analysieren, was nicht schwerfällt, rein emotional funktioniert's nicht, denn dafür ist die Sprache zu blau.
    22.06.2011-24.06.2011
  • Louis Begley - Der Fall Dreyfus: Teufelsinsel, Guantánamo, Alptraum der Geschichte
    ++ Der Fall Dreyfus ist Geschichte und aktueller denn je. Weil es auch heute viel zu viele ähnliche Fälle gibt, nicht nur in Guantánamo, lohnt sich immer wieder ein Blick auf diesen "Klassiker". Begley trägt unterschiedliche Quellen zusammen, gibt klare Bewertungen, meist zu juristischen Fragen, und vermeidet einen "neutralen" Standpunkt, der nicht angebracht wäre. Interessanterweise wirft Begley Dreyfus, der während seiner Gefangenschaft noch an seine Verräter glaubt, Naivität vor, glaubt aber selbst fest daran, der neugewählte US-Präsident Obama würde das Folterlager Guantánamo schnell auflösen... In fünf Kapiteln beleuchtet Begley den Fall aus unterschiedlichen Perspektiven, von der politischen und historischen über die private zur gesellschaftlichen und literarischen. Ein schön komponiertes Sachbuch des Juristen Begley, an dem auch der Literat Begley einigen Anteil hat. Neben einem Anhang mit Anmerkungen (hauptsächlich Quellenangaben und französischen Fassungen der benutzten Zitate) gibt es einen mit der Vorstellung der Akteure und eine Chronologie.
    20.06.2011-22.06.2011
  • Elias Khoury - Yalo
    +++ Wenn niemand mehr die Wahrheit sagt, dann werden auch Opfer zu Tätern und Täter zu Opfern. Was zu Kriegen führt folgt aus ihnen und Unschuldige verlieren unausweichlich ihre Unschuld, und es ist, als hätte es Wahrheit nie gegeben und müßte erst erfunden werden. Yalos Geschichte wird recht geschickt auf unterschiedlichen Ebenen in immer neuen Varianten erzählt, in denen sich die Entwicklung des Protagonisten spiegelt, der anfangs keinen klaren Gedanken fassen und ausdrücken kann, nach und nach jedoch nachdenklicher wird und lernt, sich passend auszudrücken. Die Sprachen von Protagonist und Erzähler nähern sich an und es offenbart sich allmählich eine besondere Textstruktur... Der formal kunstvolle Ansatz ist interessant und inhaltlich angemessen, kann aber nicht, weil das vermutlich theoretisch gar nicht möglich ist, vollständig überzeugen. Die Ermüdung, die durch die ständigen Variationen einsetzt, kann durch das gleichzeitige Deutlichwerden der Textstruktur nicht kompensiert werden. Der strukturelle Zwang zu vielen Variationen führt zu fragwürdigen Details, beispielsweise zu quietschenden Reifen (S. 122), die eigentlich nur auf sandigem Waldboden durchdrehen (S. 214).
    15.06.2011-19.06.2011
  • Peter Stamm - Seerücken
    ++ Mangelhafte Leben, traurige Geschichten.
    13.06.2011-14.06.2011
  • Rose de Freycinet - Briefe von der "Uranie"
    -/+ Klatsch und Tratsch aufgeschnappt und verbreitet von einer jungen Französin, die ihren Mann zu Zeiten der französischen Restauration auf einer Forschungsreise mit einem Segelschiff rund um die Welt begleitet. Oberflächlichkeit, Überheblichkeit und Vorurteile durchziehen ihre (literarisch anspruchslosen) Aufzeichnungen, in denen die vom niemals kritisch betrachteten Kolonialismus geprägte Welt präsenter ist als die Forschungen ihres Mannes; sarkastisch und gar zynisch wird sie als nach einem Schiffbruch mögliche Helfer die eigenen Ziele nicht vernachlässigen wollen; deshalb nervig und interessant zugleich; zahlreiche Abbildungen und umfangreiche Kommentare (in die sich gelegentlich Fehler und mißverständliche Formulierungen eingeschlichen haben); schön gestaltetes Buch.
    11.06.2011-13.06.2011
  • Ludwig Lewisohn - Der Fall Crump
    +++ Detailreiche Geschichte über eine parasitäre, intrigante, manipulierende Frau, feige, dumme Männer und gesellschftliche Borniertheit; eine Musikerbiographie und ein Stadtporträt, in der "das Universum ein Misthaufen" ist; böse, niederschmetternd, aber auch liebevoll, melancholisch. Am Ende sehnt man sich nach Liebe oder möchte ganz allein sein. Angenehme Neuübersetzung von 2010, in der beispielsweise "moral bludgeon" statt zum "moralischen Knüttel" zur "moralische Keule" wird. Thomas Manns Vorwort der deutschen Erstausgabe von 1928 (Original: Paris 1926, 500 Exemplare) wurde zum Nachwort, so daß das Ende nicht mehr vorab verraten wird. Die Zusammenfassung von Kapitel "V" und "VI" im sechsten Buch zu Kapitel "V" ohne die Numerierung der folgenden Kapitel anzupassen, wurde jetzt korrigiert. Diese Übersetzung folgt der ersten britischen Ausgabe von 1947 (USA 1965) und enthält deshalb auch nicht das Nachwort des Verfassers, auf das Mann in seinem Vorwort eingeht. Im Vorwort zur englischen Ausgabe von 1947 wurde diese Stelle ("Denn wenn der Verfasser in seinem Nachwort sagt...") in "The Author declares..." angepaßt, ohne eine Quelle anzugeben. Der Titel der Originalausgabe lautet "The Case of Mr. Crump", die deutsche Erstausgabe heißt "Der Fall Herbert Crump" und diese bezieht durch den Titel "Der Fall Crump" die fürchterliche Mrs. Crump mit ein.
    04.06.2011-11.06.2011
  • Dorothee Elmiger - Einladung an die Waghalsigen
    ++ Die Jugend will etwas über die Vergangenheit wissen, die Gegenwart prägen und eine Zukunft haben, doch die Erde brennt. Der Text ist anfangs rätselhaft und dadurch fesselnd, doch das Rätsel läßt sich schon nach ein paar Seiten lösen, so daß zwar noch das literarische Können unterhält, aber nicht mehr die Geschichte.
    04.06.2011-04.06.2011
  • Véronique Bizot - Meine Krönung
    + Ein mürrischer 87-jähriger Physiker bekommt einen international bedeutenden Preis für etwas, an das er sich schon nicht mehr erinnern kann, an dessen Bedeutung er nicht glaubt, wundert sich über die Ehrung und ärgert sich über die damit einhergehenden Belästigungen. Sprachlich schön, aber besonders in den sentimentalen Teilen kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, der Icherzähler sei doch viel jünger.
    03.06.2011-04.06.2011
  • Steven Uhly - Mein Leben in Aspik
    +++ Albtraumhaft philosophischer Trip durch ein Familiengestrüpp, Abbild des (Un-/Irr-)Sinn des Lebens, in dem alles möglich scheint, nur nicht die Wahrheit, in dem die Schönheit versucht, dem Humor, der Wut und der Verbitterung die Trauer zu nehmen, letztlich aber scheitert und so der Halbwahrheit und Phantasie zum Durchbruch verhilft.
    31.05.2011-03.06.2011
  • Gregor Sander - Winterfisch
    +/++ Kurze, manchmal zu kurze, sehr melancholische Erzählungen rund um die Ostsee.
    29.05.2011-30.05.2011
  • Peggy Mädler - Legende vom Glück des Menschen
    ++++ In Geschichten, von falschen Erinnerungen genährt, vom Vergessen verzehrt, versuchen wir Momente des Glücks einzubauen, doch die sind flüchtiger als alles andere.
    26.05.2011-29.05.2011
  • Rafael Horzon - Das weisse Buch
    +++ Sehr unterhaltsam verdeutlicht hier der Typ, der 17 Regale in meine Wohnung stellte, in Form und Inhalt seine 'Neue Wirklichkeit', die Synthese aus Wirklichkeit, Kunst und Religion.
    23.05.2011-26.05.2011
  • Arno Geiger - Der alte König in seinem Exil
    ++ Schönes Thema, interessante Einsichten, manchmal etwas bemüht und holprig.
    22.05.2011-23.05.2011
  • Patrick Modiano - Place de l'Étoile
    +++ Albtraumhafte Tour de force auf der Suche nach einer jüdischen Identität im besetzten Frankreich.
    21.05.2011-22.05.2011
  • Alex Capus - Léon und Louise
    ++ Liebesgeschichte, romantisch, gelentlich mit Tiefgang, manchmal ziemlich sentimental.
    19.05.2011-21.05.2011
  • Michel Houellebecq - Karte und Gebiet
    ++++ Realistischer Blick auf die Menschheit, wirkt mal zynisch, mal romantsich. Literarisch nahezu perfekt.
    17.05.2011-19.05.2011
  • Jean Forton - Isabelle
    ++ Emotionales Scheitern eines Einzelgängers.
    15.05.2011-17.05.2011
  • Hélène Bessette - Ida oder Das Delirium
    ++++ Sprache reduziert aufs Sprachliche.
    15.05.2011-15.05.2011
  • Christoph Simon - Spaziergänger Zbinden
    ++++ Monologischer Rückblick auf ein Leben, manchmal rührend, nie kitschig.
    13.05.2011-15.05.2011
  • Paolo Giordano - Die Einsamkeit der Primzahlen
    ++ Liebesgeschichte zweier Außenseiter, deren Außenseiterposition zu sehr konstruiert wirkt.
    10.05.2011-13.05.2011
  • Horst Evers - Für Eile fehlt mir die Zeit
    ++ Witzig verzweifelnd.
    08.05.2011-10.05.2011
  • Albert Camus - Die Pest
    ++++ Anfangs etwas schleppend, später recht moralisch, das aber sehr angenehm, unaufdringlich; ein unpathetisches Plädoyer für Liebe und Solidarität.
    29.04.2011-08.05.2011
  • Katherine Anne Porter - Das Narrenschiff
    +++ Sehr guter Gesellschaftsroman, dem man einige Schwächen leicht verzeiht.
    20.04.2011-29.04.2011
  • Marcel Jouhandeau - Das Leben und Sterben eines Hahns
    ++ Beschreibung der Individualität jedes einzelnen Tieres ruft Respekt vor menschlicher Individualität hervor.
    17.04.2011-20.04.2011
  • Ludwig Wittgenstein - Logisch-philosophische Abhandlung. Tractatus logico-philosophicus
    +++ Nicht immer verständlich, wahrscheinlich nicht fehlerfrei, aber sehr anregend.
    12.04.2011-03.05.2011
  • Andrej Kurkow - Petrowitsch
    + Schöne Abenteuer-/Liebesgeschichte, aber einige sprachliche Schnitzer (in der Übersetzung?).
    10.04.2011-17.04.2011
  • Jean-Philippe Toussaint - Die Wahrheit über Marie
    ++ Dichter als der Vorgänger 'Sich lieben'.
    07.04.2011-10.04.2011
  • Jean-Philippe Toussaint - Sich lieben
    + Stimmungsvolles Japanbild, aber das übliche Scheitern bei Sexszenen.
    04.04.2011-06.04.2011
  • Jacques Chessex - Der Schädel des Marquis de Sade
    + Anfangs interessante Beschreibung de Sades Endes, später sehr beliebig.
    03.04.2011-04.04.2011
  • Hans Fallada - Jeder stirbt für sich allein
    +++ Eindringliche Beschreibung des Verlorenseins im Faschismus, manchmal aber zu dick aufgetragen.
    14.03.2011-03.04.2011
  • Daniel Kehlmann - Die Vermessung der Welt
    +++ Schöne Beschreibung kreativer Jugend und resignierenden Alters.
    6.3.2011-13.3.2011

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